Altersvorsorge

Pensionskassen: Darum werden unsere Renten sinken

21. Juni 2018

Die Schweizer Pensionskassen sind unter Druck. Eine Kürzung der Renten wird von Experten nicht mehr lediglich in Aussicht gestellt – sie gilt in der Zwischenzeit als sicher. Die jahrelang propagierte Zukunftsfestigkeit der kapitalgedeckten Rente aus der Pensionskasse hat sich als Illusion erwiesen. Die Ursache ist auf zwei wesentliche Aspekte zurückzuführen: Die demographische Entwicklung der Schweizer Bevölkerung und mangelnde Renditechancen auf den Finanzmärkten.

Am 24. September 2017 lehnte das Schweizer Stimmvolk die Vorlage «Altersvorsorge 2020» an der Urne ab. Diese sah auch eine Senkung des Umwandlungssatzes auf dem obligatorischen Teil von 6.8% auf 6% vor. Eine Massnahme, die dazu dienen sollte, die stark unter Druck geratenen Pensionskassen zu entlasten. Denn um den gesetzlich festgelegten Umwandlungssatz von 6.8% auf dem Obligatorium sicherstellen zu können, bleibt ihnen keine andere Wahl, als die dies Umwandlungssätze auf dem überobligatorischen Teil sukzessive nach unten zu korrigieren. Wie ist dieses Dilemma entstanden?

Die Schweizer Bevölkerung wird älter

Die Einführung des BVG-Obligatoriums datiert auf das Jahr 1985. Wie konnte ein bewährtes und etabliertes System innert 30 Jahren derart unter Druck geraten? Was sind die entscheidenden Parameter, die sich geändert haben? Die Antwort liegt in der strukturellen Entwicklung der Schweizer Bevölkerung.

1985 lag die Lebenserwartung von Frauen bei 80.2 Jahren und die der Männer bei 73.5 Jahren. Im Jahr 2015 betrugen diese Werte bereits 85.1 Jahren bei den Frauen und 81.2 Jahren bei den Männern. Betrachtet man die Entwicklung der Lebenserwartung seit den 60er-Jahren erkennt man: Der Trend verläuft linear und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das Bundesamt für Statistik rechnet damit, dass die Lebenserwartung Schweizer Frauen und Männer bis ins Jahr 2045 weiter sukzessive steigen wird.

Entwicklung der Lebenserwartung in der Schweiz seit 1960

Entwicklung der Lebenserwartung in der Schweiz seit 1960

Was bedeutet das für Pensionskassen?

Aufgrund der höheren Lebenserwartung müssen Pensionskassen heute aus einem angesparten Kapital wesentlich länger eine Rente bezahlen als noch vor 30 Jahren. Während ein Mann im Jahr 1985 bei einer regulären Pensionierung mit 65 Jahren durchschnittlich noch 14,92 Jahre Rente bezog, sind es 2018 bereits 19.93 Jahre – 5 Jahre mehr. Bei den Frauen erhöhte sich die durchschnittliche Rentendauer von 21,55 auf 23,67 Jahre.

Wenn sich der Anteil der über 65-jährigen Personen in der Schweiz also kontinuierlich erhöht, bräuchte es auch am Fundament der demographischen Alterspyramide einen Zuwachs, um ein entsprechendes Gleichgewicht sicherzustellen. Die Realität zeigt jedoch: Die Pyramide ist schon lange keine Pyramide mehr. Die Geburtenrate ist im Zeitraum von 1965 bis 1975 drastisch gesunken und stagniert seither bei rund 1.5 Geburten pro Frau. Die Konsequenz ist eindeutig: Die Jungen, die neu ins Erwerbsleben eintreten, können nicht mehr alle Neurentner ersetzen.

Anlagenotstand verschärft die Situation für Pensionskassen

Gelder, welche Arbeitnehmer an die Pensionskassen überweisen, bleiben nicht einfach auf einem Bankkonto liegen, um von dort auf die Rentner umverteilt zu werden. Um das System zusätzlich zu stützen, verfolgen Pensionskassen das Ziel, einen Teil des eingezahlten Kapitals gewinnbringend an den Finanzmärkten zu investieren. Die entsprechenden Erträge dienen als zusätzliche Stabilisierung für die Umverteilung. Grundsätzlich lässt sich relativ einfach ermitteln, welche Rendite eine Pensionskasse erwirtschaften müsste, um die vorgegebenen Renten finanzieren zu können. Der Wert liegt aktuell über 4.5 %. Das Problem dabei: Die geforderten Renditen sind auf den heutigen Finanzmärkten ohne entsprechendes Risiko schlichtweg nicht realisierbar.

Um trotz eines Negativzinsumfelds weiterhin Renditen generieren zu können, sind Pensionskassen dazu gezwungen, höhere Risiken einzugehen. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass der Aktienanteil in den Portfolios der Schweizer Pensionskassen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Höhere Renditen sind immer auch mit höheren Risiken verbunden. Diesbezüglich tritt der Staat regulierend in Kraft. Schweizer Vorsorgeinstitute, darunter auch Pensionskassen, können nicht willkürlich auf den Finanzmärkten agieren. Ihre Investitionstätigkeit – und dadurch auch ihre Risikotoleranz – ist durch verschiedene Limiten im BVG eingeschränkt.

Diese unbeliebten Massnahmen stünden für eine Lösung zur Verfügung

bundeshaus-pension

Die Politik ist gefordert: Die Sanierung der Altersvorsorge ist schon lange auf der Agenda in Bundesbern. Mit der «Altersvorsorge 2020» ist der Bundesrat allerdings jüngst vor der Urne gescheitert.

Um für mehr Gleichgewicht in der Schweizer Vorsorgelandschaft zu sorgen, stehen verschiedene Massnahmen zur Option. Da sie alle grundsätzlich eine Verschlechterung des Leistungsumfangs für Versicherte zur Folge haben, sind sie entsprechend kontrovers.

Senkung der Umwandlungssätze
Die Senkung der Umwandlungssätze ist gleichzusetzen mit einer Rentenkürzung. Um der demographischen Entwicklung Rechnung zu tragen, haben die meisten Pensionskassen eine künftige Reduktion der Umwandlungssätze bereits beschlossen. Solange der Umwandlungssatz auf das Obligatorium bei 6.8 % gesetzlich festgelegt ist, werden sich entsprechende Kürzungen auf den überobligatorischen Teil verlagern. Eine Senkung des Umwandlungssatzes auf dem obligatorischen Teil wird wohl auch in Zukunft ein heftig debattierter Punkt auf der politischen Agenda bleiben.

Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge
Auch diese Massnahme war in der Vorlage «Altersvorsorge 2020» vorgesehen. Sie dient der Erhöhung des Kapitals der Versicherten und als Sanierungsmassnahme zur Sicherung des Deckungsbeitrags.

Spätere Pensionierung
Eine Möglichkeit, die durchschnittliche Dauer für einen Rentenbezug zu verkürzen, besteht in der Anhebung des Rentenalters. Durch einen späteren Rentenantritt verkürzt sich die durchschnittliche Periode für Rentenbezüge, was zu einer Entlastung führen würde. In der Vorlage zur «Altersvorsorge 2020» war eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre vorgesehen. Auch dieses umstrittene Traktandum dürfte weiterhin Teil der politischen Agenda bleiben.

Liberalisierung der Anlagerichtlinien für Pensionskassen
Durch eine Lockerung der Anlagerichtlinien für Pensionskassen hätten diese die Möglichkeit, bei ihrer Investitionsstrategie neue Anlageklassen zu berücksichtigen und neue Kapitalverteilungen zu implentieren. Demgegenüber steht die Gefahr durch höhere Risiken, die für eine höhere Rendite eingegangen werden.

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