Markt- und Anlageausblick

Investieren, Markt

Markt- und Anlageausblick – September 2019

5. September 2019

Im September beschäftigen uns im Markt- und Anlageausblick zwei Themen, die eng miteinander verknüpft sind: Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat mit dem Inkrafttreten verschärfter Strafzölle einen neuen Höchstpunkt erreicht. Dies lässt auch die globale Geldpolitik nicht kalt – Experten erwarten im September erneute Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed wie auch der Europäischen Zentralbank (EZB).

Handelskrieg USA-China

Der amerikanische Präsident Donald Trump heizt den Handelskrieg zwischen den USA und China weiter an und gefährdet damit die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft: Seit dem 1. September 2019 werden Strafzölle von 15 % auf in China produzierte Konsumgüter wie Fernseher, Bücher oder Turnschuhe erhoben. Mit Verzögerung werden ab dem 15. Dezember weitere Strafzölle auf Smartphones, Laptops und Kleidung verhängt. Die daraus resultierenden Mehrkosten drohen die Konsumlust der Amerikaner zu bremsen und erhöhen damit das Rezessionsrisiko zusehends. Da die für eine Rezession sonst üblichen makroökonomischen Faktoren – wie hohe Inflation, Schuldenexzesse oder Spekulationsblasen – derzeit nicht in grösserem Ausmass zu beobachten sind, könnte dies somit die erste von einem Präsidenten hausgemachte Rezession bedeuten.

Um den Druck auf die US-Wirtschaft zu lindern, hat die amerikanische Notenbank Fed im Juli erstmals seit der Finanzkrise von 2008/2009 eine Zinssenkung vorgenommen. Dabei wurde der Leitzins um 0.25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2.00 % bis 2.25 % gesenkt. Jerome Powell, Notenbankchef der Fed, sprach hierbei von einer Versicherung gegen globale Abwärtsrisiken sowie einer leichten Anpassung der Geldpolitik in der Mitte eines Konjunkturzyklus. Mutmasslicherweise war diese Anpassung jedoch ebenfalls eine Reaktion auf Präsident Trumps kürzlichen Angriff, die Notenbank sei das “hartnäckigste Problem” der US-Wirtschaft. Mit einer Senkung des Leitzinses werden Kredite günstiger, womit Firmen leichter investieren können und Konsumenten weniger für Schuldendienste ausgeben müssen. Dies könnte der verlangsamenden US-Konjunktur neuen Schwung verleihen. Es wird deshalb auch davon ausgegangen, dass aus der nächsten Zinsentscheidung der Fed am 18. September eine weitere Zinssenkung resultiert. 

Mit einem Blick auf das globale Geschehen und in Anbetracht der aktuellen Vorgänge in Europa – politisches Stühlerücken in Italien sowie der kurz bevorstehende Brexit – rechnen Experten damit, dass auch die EZB im September den Einlagezins weiter auf -0.5 % senkt.

Anhaltendes Negativzinsumfeld – spürbare Folgen für Anleger

Wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf eine mögliche Zinssenkung der EZB reagiert, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die SNB nachzieht und den Leitzins wiederholt senken wird – von aktuell -0.75 % auf -1 %. 

Dies hat auch Auswirkungen auf Anleger, insbesondere auf jene von Schweizer Staatsanleihen. Erhielten diese im Oktober 2018 noch eine Rendite von knapp über 0 %, bewegt sich diese nun um -1 %. Aus Anlegersicht bedeutet der heutige Kauf einer Schweizer Staatsanleihe per Verfall also einen sicheren Wertverlust. Wieso wird trotzdem weiterhin in Staatsanleihen investiert? Dafür gibt es zwei mögliche Antworten: Investoren gehen davon aus, dass die Zinsen in Zukunft noch weiter sinken. Fallen diese z. B. von aktuell -1 % auf -2 %, so steigt der Wert der Anleihe nochmals um rund 10 % an und es lässt sich ein ansehnlicher Kapitalgewinn realisieren – sofern die Anleihe weiterverkauft werden kann. Oder, und dieses Szenario ist noch beunruhigender, Anleger gehen von einer Rezession mit deflationären Tendenzen aus.

Aufgrund der vorliegenden Fakten raten Experten von Raiffeisen Schweiz im Anlageguide September 2019, Obligationen in Schweizer Franken im Portfolio zu reduzieren und frei werdende Mittel in Schweizer Immobilien zu investieren:

Nachdem die Renditen in den letzten Wochen nochmals markant gesunken sind, erachten wir Obligationen in Schweizer Franken nun als extrem hoch bewertet beziehungsweise als sehr unattraktiv. (…) Die freiwerdenden Mittel investieren wir in die Anlageklasse Immobilien Schweiz.

Raiffeisen Schweiz, Anlageguide September 2019

Sinkende Zinsen wirken sich dabei doppelt positiv auf die Anlageklasse Immobilien aus: Erstens steigt der Wert der Immobilie kontinuierlich an, zweitens nimmt die relative Attraktivität der Anlageklasse gegenüber Alternativen zu. Mit einer aktuellen Rendite von -1 % bei Schweizer Staatsanleihen und einer aktuellen durchschnittlichen Ausschüttungsrendite von 2.6 % von Schweizer Immobilienfonds, beträgt die Renditedifferenz zwischen den Anlageklassen zur Zeit fast 3.6 %. Betrachtet man die durchschnittliche Gesamtrendite von Direktinvestitionen in Schweizer Immobilien, fällt der Vergleich noch deutlicher aus: 2018 betrug die durchschnittliche Gesamtrendite von Direktanlagen gemäss Wüest Partner 6.1 %. Somit ergibt sich eine Renditedifferenz von über 7 % zu Schweizer Staatsanleihen. Schweizer Immobilien bleiben als Anlage also weiterhin attraktiv.

Quellen:
Raiffeisen Schweiz, Anlageguide September 2019
NZZ, Die Immobilienrenditen überstrahlen alles – https://www.nzz.ch/finanzen/die-immobilienrenditen-ueberstrahlen-alles-ld.1468636
NZZ, Die US-Notenbank Fed senkt erstmals seit zehn Jahren wieder die Zinsen – https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-us-notenbank-fed-senkt-erstmals-seit-10-jahren-wieder-die-zinsen-ld.1499272
NZZ, Die Fakten zum Handelsstreit – https://www.nzz.ch/wirtschaft/handelsstreit-fakten-und-ereignisse-im-ueberblick-ld.1392086

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