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Die Gretchenfrage: Libor- oder Festhypothek?

17. Dezember 2018

Festhypothek oder eine Libor-Hypothek mit variablem Zinssatz? Mit dieser Frage sind viele Kreditnehmer konfrontiert, die vor dem Erwerb einer Immobilie stehen. Aus rein finanzieller Sicht, sollte man vor allem das allgemeine Zinsniveau im Auge haben.

Inhalt:

Neben den finanziellen Aspekten spielen natürlich auch persönliche Präferenzen und individuelle Bedürfnisse eine Rolle. Die Zinssätze der Festhypotheken sollten trotz des erwarteten Anstiegs historisch betrachtet weiter tief bleiben. So erwartet beispielsweise die Credit Suisse (CS) im März 2019 einen ersten Anstieg der Leitzinsen der Schweizerischen Nationalbank. Die Marktexperten der Grossbank rechnen mit einem Schritt von minus 0,75 % auf minus 0,5 %. Auf den Hypothekarzins hat dies unterschiedliche Auswirkungen. Während der Zins von Libor-Hypotheken bei einer solchen Erhöhung vorerst noch stagnieren dürfte, wird der Zins von Festhypotheken für Neuabschlüsse weiter ansteigen – voraussichtlich um bis zu 50 Basispunkte.

Erklärt: Was ist der Unterschied zwischen Fest- und Libor-Hypothek?

Festhypothek

Bei der Festhypothekwird der Zinssatz für die gesamte Laufzeit fixiert. Festhypotheken sind beliebt, da die Kosten für die gesamte Laufzeit im Voraus bekannt und damit gut zu handhaben sind. Dieses Modell schützt zudem vor allfällig steigenden Hypothekarzinsen.

Libor-Hypothek

Der Zinssatz der Libor-Hypothek, auch Geldmarkthypothek genannt, wird alle drei bis sechs Monate den Marktgegebenheiten angeglichen, je nach vertraglicher Regelung. Fixiert wird zudem die Laufzeit: in der Regel drei bis fünf Jahre. Liborsteht für London Interbank Offered Rate. Der Libor wird voraussichtlich Ende 2021 mit dem Saron (Swiss Average Overnight Rate) ersetzt. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag zum Thema Saron statt Libor – Was Hypothekarnehmer beim Zinssatz jetzt beachten sollten.

Faktor Zinsanstieg

Ein Blick zurück in die Vergangenheit zeigt, dass Festhypotheken mit wenigen Ausnahmen über ihre gesamte Laufzeit teurer ausfallen als eine Libor-Hypothek. Lediglich Ende der 1980er Jahre und für kurze Zeit 2004 bzw. 2005 wäre beispielsweise gemäss CS-Berechnungen eine fünfjährige Festhypothek günstiger gewesen als eine Libor-Hypothek. Eine Festhypothek mit zehn Jahren Laufzeit hätte sich demnach nur während einer Phase zwischen 1988 und 1989 wirklich gelohnt. Denn: Eine Festhypothek lohnt sich vor allem dann, wenn die Zinsen innert kurzer Zeit stark steigen.

Festhypotheken bieten somit Absicherung vor plötzlich und stark steigenden Zinsen, kommen aber mit einer Prämie daher. Derzeit ist dieser Aufschlag ebenfalls auf historisch tiefem Niveau. So sind zehnjährige Festhypotheken momentan recht günstig zu haben und einige Kreditnehmer spielen mit dem Gedanken, ihre Libor-Hypothek durch eine Festhypothek abzulösen. Mit den zu erwartenden steigenden Zinsen wird jedoch die Differenz zwischen Fest- und Libor-Hypothek schon bald wieder grösser werden.

Flexibilität versus Sicherheit

Wer flexibel sein möchte und zugleich auf Sicherheit setzt, kann verschiedene Hypotheken und Laufzeiten kombinieren. Im Gespräch mit der kreditgebenden Bank kann auch eine Zinsobergrenze, eine sogenannte CAP, vereinbart werden. So können sich Kreditnehmer vor schnell und stark ansteigenden Zinsen schützen. Der Zinsrückgang dauert nun schon fast zehn Jahre und sollte allmählich seinen Boden erreicht haben und im Fall einer Zinswende festverzinsliche Finanzierungen attraktiver machen.

Der Abschluss einer Festhypothek ist im Moment vor allem für risikoaverse Kreditnehmer günstig. Für Kreditnehmer mit mehr Lust am Risiko ist indes eine Festhypothek nur zweite Wahl. Denn der Libor in Schweizer Franken wird nur langsam anziehen, sollten sich die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank ab 2019/2020 für kleine Zinsschritte entscheiden – und sich die Federal Reserve Bank der USA zum Vorbild nehmen. Dann würden in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren die Zinsen maximal um zwei Prozent zulegen.

leitzinssatz

Abbildung: Leitzinssätze weltweit CHF-EUR-USD-JPY-GBP 2000-2018 (Quelle: finanzen.ch) – Schweizer Leitzinsen sind seit anfangs 2015 auf einem historisch tiefen Niveau.

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich Festhypotheken insbesondere für Kreditnehmer lohnen, die Risiken vermeiden und sich gegen stark ansteigende Zinsen absichern wollen. Festhypotheken befinden sich zurzeit auf einem historischen Tief – weshalb eine solche auch für andere Hypothekarnehmer spannend sein kann. Zukünftig wird jedoch die Differenz – aufgrund des zu erwartenden Zinsanstiegs – relativ bald wieder grösser sein. Historisch betrachtet fielen Libor-Hypotheken meist günstiger aus als Festhypotheken.

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