Man mit 2 verschiedenen Schuhen

Investieren, Markt

Was bedeutet die Abschaffung des LIBOR Referenzzinssatzes für Hypothekarkunden?

20. Januar 2020

Rund 20 % aller Hypotheken in der Schweiz basieren auf dem LIBOR Referenzzins. Dieser wird per Ende 2021 definitiv eingestellt und durch den SARON ersetzt. Welche Auswirkungen hat dies auf die Hypothekarnehmer?

LIBOR – der Begriff steht für «London Interbank Offered Rate» und bezeichnet den Referenzzinssatz, zu welchem sich Banken auf dem (unbesicherten) Geldmarkt gegenseitig Geld leihen. Er dient ausserdem als Basis für Hypothekarzinsen. Fachleute schätzen, dass weltweit Gelder und Banktransaktionen im Wert von rund 300 Billionen Dollar daran gekoppelt sind.

Das Problem des LIBORs liegt in seiner Abhängigkeit von einigen wenigen Banken, die täglich die zu erwartenden Zinssätze für die jeweiligen Laufzeiten der Finanzmarktaufsicht melden. Die Dependenz von diesen sogenannten Panel-Banken, einer Gruppe von 11 bis 16 ausgewählten Finanzinstituten, macht den Referenzzinssatz besonders anfällig für eine Beeinflussung von aussen; so gab es in der Vergangenheit Absprachen unter den Banken, um den Kurs zu ihrem Vorteil zu korrigieren. Wegen dieser Anfälligkeit für Manipulation ist der LIBOR in Verruf gekommen und wird per Ende 2021 abgeschafft. 

Die SNB bekennt Farbe

2019 empfahl die Schweizerische Nationalbank (SNB) offiziell die Verwendung des SARON (Swiss Average Rate Overnight) als Ablöseprodukt für den LIBOR. Die Empfehlung an die Banken ist, LIBOR-Positionen nach Möglichkeit vor Ende 2021 umzustellen. Nach eigenen Angaben hat die UBS 2019 zweimal eine Saron-Hypothek an Grosskunden verliehen und will solche im Laufe des aktuellen Jahres auch Privatkunden zugänglich machen. Auch Raiffeisen kündigt die Saron-Hypothek für 2020 an. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die meisten Banken auch nach 2021 Geldmarkt-Hypotheken offerieren wollen – auch wenn zur Zeit Saron-Hypotheken jedoch noch eine Rarität sind.

LIBOR vs. SARON – wo liegen die Unterschiede?

LIBOR- und SARON-Hypotheken sind sogenannte Roll-Over-Kredite. Das heisst, der zugrundeliegende Referenzzinssatz ändert sich laufend, wodurch auch die Zinszahlung der Kunden immer wieder anders ausfällt. An diesem Punkt enden die Gemeinsamkeiten der beiden Referenzzinssätze auch bereits – vor allem in der Berechnung unterscheiden sie sich massiv.

Berechnung LIBOR

Wie vorab bereits erwähnt, wird der LIBOR durch die 11 bis 16 Panel-Banken täglich neu für die verschiedenen Laufzeiten bestimmt. Bei den Eingaben handelt es sich jedoch lediglich um Einschätzungen und keine tatsächlichen Erhebungen. Für die finale Berechnung des Referenzzinssatzes werden nur die mittleren 50 Prozent der Zinssätze verwendet – die höchsten und tiefsten 25 Prozent werden nicht in die Rechnung einbezogen. 

Berechnung SARON

Der SARON wiederum basiert auf dem Schweizer Repo-Markt, an dem rund 160 Banken und Versicherungen teilnehmen. In die Berechnung des SARON fliessen abgeschlossene Transaktionen und handelbare Preise (Quotes) aus eben diesem Markt ein – im Jahresdurchschnitt etwa 110 Zinssätze pro Tag. Die Berechnung findet alle 10 Minuten statt und wird dreimal täglich fixiert und veröffentlicht. Da es sich beim SARON um einen Tagessatz handelt, gestaltet sich die Berechnung für eine bestimmte Laufzeit schwieriger. Die SNB und die zuständige Arbeitsgruppe (NAG) haben sieben mögliche Berechnungsmethoden ermittelt – nun liegt es an den Banken, sich für eine zu entscheiden. Einen Überblick über die Methoden finden Sie nachfolgend in der Infobox.

Fazit

Obwohl viele Banken aktuell noch keine Saron-Hypotheken anbieten, kann davon ausgegangen werden, dass diese auch nach 2021 noch Finanzierungen im ähnlichen Stil wie die LIBOR-Hypothek anbieten wollen.

Einige Banken haben die Verträge und Geschäftsbedingungen bereits so angepasst, dass ein anderer vergleichbarer Referenzzins für den Geldmarkt herangezogen würde. Viele Banken bieten ihren Kunden ausserdem die Möglichkeit, unkompliziert auf eine Festhypothek zu wechseln. Dies aber nicht immer ganz ohne den eigenen Vorteil im Hinterkopf zu haben; Geldmarkt-Hypotheken sind für Hausfinanzierer weniger lukrativ als Festhypotheken. So mussten Kunden seit einiger Zeit vermehrt feststellen, dass sie mit dem Argument, dass der LIBOR nicht mehr verwendet werde, zu Festhypotheken gedrängt werden. Es gilt deshalb weiterhin: um ein gründliches Studieren und Vergleichen der Angebote kommen Hauskäufer nicht herum. Informieren Sie sich im Vorfeld über die Möglichkeiten und holen Sie verschiedene Offerten ein. Mehr zum Thema finden Sie in unserer Hypotheken-Serie.

Die 7 Berechnungsmethoden der SNB im Überblick

Die SIX ist als Benchmark-Administrator des SARON momentan dabei, SARON Compound Indizes für vordefinierte Laufzeiten auf den Markt zu bringen. Dafür gibt es verschiedene Varianten zur Berechnung.

Berechnungsmethoden der SNB mittels Compounded Saron

Quelle: Vermögenszentrum, 2019

Base case (Basisvariante)
Bei der Basisvariante sind Beobachtungsperiode und Zinsperiode identisch. In der Praxis ist diese Variante jedoch nicht umsetzbar, da die Zinsabrechnung und Zahlung nicht am gleichen Tag möglich sind.

Delayed payment (verzögerte Zahlung)
Identisch mit der Basisvariante, aber das Zahlungsdatum ist einige Tage später. Dadurch steht etwas mehr Zeit für die Zinsabrechnung und das Inkasso zur Verfügung. Für den Hypothekarnehmer sind die Zahlungsfristen aber immer noch sehr kurz.

Lockout period (Aussperrperiode)
Aussperrperiode bedeutet, dass die Beobachtungsperiode um eine gewisse Anzahl Tage* kürzer ist als die Zinsperiode. Dadurch ist der Compounded SARON weniger repräsentativ, was sich zugunsten aber auch zulasten des Hypothekarnehmers oder der Bank auswirken kann.

Reset days prior (zurückversetzte Tage)
Beobachtungs- und Zinsperiode sind gleich lang, die Beobachtungsperiode wird aber um beispielsweise einen Monat* vorverschoben. Wenn sich die Zinsen in diesem vorverschobenen Monat verändern, wirkt sich das im Gegensatz zu Variante 4 nur zu einem Drittel auf den Gesamtzinssatz aus. Dafür bleibt der Bank und dem Hypothekarnehmer ausreichend Zeit, die Zinsen abzurechnen und zu begleichen.

Period shift (verschobene Periode)
Bei der Variante der verschobenen Periode wird die Beobachtungsperiode um eine ganze Zinsperiode vorverschoben. Somit ist der Zins – wie heute beim Libor – jeweils am Starttag der Zinsperiode bekannt. Nachteil: Es wird immer ein veralteter Zinssatz angewendet, sodass die Banken bei steigenden Hypothekarzinsen viel Geld verlieren, während die Hypothekarnehmer bei sinkenden Zinsen zu hohe Zinsen bezahlen.

Short Period (kurze Periode)
Hier gilt der Saron vom Vortag oder der Compounded SARON von ein paar wenigen Tagen im Vorfeld als Referenzzinssatz für die gesamte Periode. Dadurch bleibt zwar ausreichend Zeit, die Zinsen abzurechnen und zu bezahlen, der Zinssatz ist aber sehr ungenau, weil er nur einen kurzen Zeitraum umfasst. Dies erinnert etwas an ein Glücksspiel, bei dem einmal die Bank, ein andermal der Hypothekarnehmer gewinnt.

Payment on account (Teilzahlung)
Kombination aus Variante 1 und 5. Zu Beginn der Zinsperiode kommt der Zinssatz analog Variante 5 zum Tragen (SARON vom Vortag des Zinsperioden-Starts), auf welchem dann das gesamte Quartal provisorisch abgerechnet wird. Zeitgleich wird der Compounded SARON der effektiven Zinsperiode berechnet und wenn diese abgelaufen ist, wird die Differenz zum provisorischen Satz ausgeglichen. Diese Variante ist zu kompliziert für eine effiziente Abwicklung.

*Die Nationale Arbeitsgruppe hat bei ihren Beispielen in der Regel 2 bis 4 Tage angewendet

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